Intels TV-Aus: „Es zählen doch nur die Inhalte“

Dauerhaft gestört - Intels TV-Revolution kommt nicht auf die Schirme

Dauerhaft gestört – Intels TV-Revolution kommt nicht auf die Schirme

„Es ist tatsächlich ein großartiges Produkt, was die Hardware und die Technologie dahinter betrifft. ( …) Aber, am Ende des Tages, wenn Du nach Hause kommst und TV sehen willst, zählen doch nur die Inhalte.“ So begründet Intels neuer Chef Brian Krzanich das Ende eines der ambitioniertesten Projekte des neuen Fernsehzeitalters.

Unter dem Namen „OnCue“ versucht Intel seit Jahren Fuß zu fassen im neuen, von gewaltigen Umwälzungen geprägten TV-Markt. Der Computergigant wollte mit OnCue eine Lösung entwickeln, die – verkürzt gesagt – nahezu sämtliche verfügbaren Bewegtbildangebote aus klassischen und neuen Kanälen bündelt und sie im Stil einer riesigen Mediathek über eine eigene Settop-Box verfügbar macht. Entsprechend neugierig (aber von Anfang an auch gehörig skeptisch) verfolgte die gesamte Branche das millionenteure Projekt.

Doch OnCue kam nie richtig auf die Beine, trotz aller Power, die Intel hineinlegte. Dabei waren noch nicht einmal die technischen Schwierigkeiten das größte Hindernis bei der Entwicklung. Intel tat sich immens schwer, Partnerschaften mit Sendern und Produzenten zu schließen. Unter anderem deshalb, weil die großen US-Kabelgesellschaften ihren Inhalteanbietern ziemlich offen mit Strafen drohten und zum Intel-Boykott aufriefen.

Eine Zeitlang machte Intel noch unverdrossen weiter, baute eine sehr große Media-Sparte unter Führung des ehemaligen Microsoft-Managers Erik Huggers auf und präsentierte Anfang vergangenen Jahres noch stolz erste Einblicke in das Prestigeprojekt. Doch da kriselte es intern schon gewaltig bei Intel. Teile des Vorstands glaubten nicht mehr an eine Realisierung von OnCue.

Als dann der neue CEO Brian Krzanich im Mai den Konzern übernahm, wurde das Ende eingeläutet. Nach mehreren Prüfungen, Neuanfängen und vergeblichen Optimierungsrunden entschied Krzanich, das Projekt mitsamt der Media-Sparte zu verkaufen. Offiziell wird zwar noch nichts verkündet, aber seit einigen Wochen gilt das Telekommunikationsunternehmen Verizon als heißester Übernahmekandidat, man munkelt von einem Preis von 500 – 600 Millionen Dollar.

Intels CEO Brian Krzanich (©Intel)

Intels CEO Brian Krzanich (©Intel)

In einem Interview mit dem neuen US-Mediendienst „re/code“ erklärt Krzanich jetzt zum ersten Mal seine Gründe, für das Scheitern von OnCue: „Du kannst den größten Bildschirm haben, du kannst den schärfsten Bildschirm haben. Aber wenn auf dem Ding kein großartiger Inhalt zu sehen ist, ist dein toller Bildschirm nichts wert“. Und weiter: „Wenn Du rausgehst und mit den Content-Jungs mithalten willst, geht es nur um Inhalte. Und wir kamen auf dieses Spielfeld ohne Vorbereitung, ohne Erfahrung, ohne Inhalte…“

Intels Scheitern erneuert auch die Skepsis über die TV-Pläne anderer großer Konzerne wie Google, Apple oder Sony, die bislang mit dem Inhaltegeschäft nur wenig bis gar nichts zu tun hatten, aber nun mit eigenen Angeboten auf dem umkämpften Fernsehmarkt drängen. Auch sie haben – trotz einiger neuer Kooperationen – große Probleme, genügend Inhalte für ihre eigenen Distributionskanäle zu finden. So gilt bei Apple die Blockadehaltung der US-Kabelgesellschaften als einer der wesentlichen Gründe, warum der seit Jahren erwartete Apple Fernseher immer noch nicht in Sicht ist.

Es geht immer rauer zu auf diesem Spielfeld.

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